Sage dem König

Georg Steiner verbringt seine Zeit mit dem Übersetzen der Gebrauchsanweisung einer Kaffeemaschine. Die Regale in seinem Büro sind leer, seine Bücher für unbestimmte Zeit in Kisten untergebracht, seine Zukunft ist ungewiss.

Eine geheimnisvolle Mail – unterzeichnet mit Parsifal – steht am Eingang seiner Rückkehr aus der Lethargie in das öffentliche Leben, das geprägt ist von der Übernahme durch das digitale Zeitalter.

Georg Steiner gerät zwischen die Fronten und erlebt den historischen Wendepunkt als Teil seiner eigenen Identitätskrise. 

Sage dem König, Editions PHI, Differdange 2015  ISBN 978-99959-37-17-1

Auf der Suche nach Konrad

Konrad war ein begnadeter Geschichtenerzähler. Beim Zuhören schien mir, als sei die Welt ein Sammelsurium von Geschichten, die Konrad jederzeit, dem Anlass und dem Thema entsprechend, abrufen konnte.

Eines Tages ist Konrad verschwunden. Ein verstörender Brief legt eine erste Spur.

Ich habe mich in einer Geschichte verloren und finde nicht wieder hinaus. Sie sollen mir helfen.

Auf der Suche nach Konradgerät der Erzähler in das Leben in Berlin am Eingang des zwanzigsten Jahrhunderts – eine Welt aus Künstlern, Lebemännern, Ganoven, Krise, Wissenschaft und Spiritismus. Und er trifft auf die Tänzerin Cécile, die ebenso geheimnisvoll ist wie ihre Entourage. Allesamt sind sie auf mysteriöse Weise mit Konrad verbunden.

Auf seiner Reise nach Paris erkennt der Erzähler, dass nicht das Immergleiche das Problem ist, sondern das Grauen, das sich wiederholt.

Auf der Suche nach Konrad, Passagen Verlag, Wien 2014  ISBN 978-3-7092-0137-4

Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben

Die Seele der Unterwelt hielt ihn fest, wie einen Geliebten. Sie führte ihn durch die Gänge, breitete, wenn er schlief, ihre Decke über ihn, war eins mit ihm in den Stunden der Zärtlichkeit. Er lebte in vollkommener Dunkelheit. In den Nächten, in denen er seine Unterkunft verließ, erlebte er das weiche Licht der Außenwelt als willkommene Abwechslung. Dann streifte er unter dem Auge der Nacht durch die Stadt. Auf eine frühere Stufe der eigenen Spezies zurückgefallen, bewegte er sich, ganz Tier, durch Häuserschluchten, über Lichtungen, unter den in den Nachthimmel ragenden Kronen der Gebäude.

 

Ein Mann gelangt in den Besitz mysteriöser Aufzeichnungen. Mit dem Versuch, die wirren Gedanken zu überarbeiten und nachzuzeichnen, entsteht das verstörende Bild eines Lebens, das gleichermaßen von Wissensdrang, Hass und der Absicht in den Ablauf der Geschichte einzugreifen, geprägt ist. Die Reise in die Psyche des Verfassers der Aufzeichnungen beginnt mit dem Bestreben, den Plan der Welt zu erfassen und endet in der chaotischen Realität der Gegenwart. Mit fortschreitender Erarbeitung der Skizzen und aufgrund seiner Nachforschungen gerät der Erzähler selbst in die zerstörerische Spirale. Dort, wo Kontinuität gesucht wird, zeigt sich die menschliche Existenz gefangen in dem Strudel aus der Unversöhnlichkeit von Wissen, Fortschritt und Alltag. Der begrenzte Handlungsspielraum verführt dazu, im Extremen eine letzte Überlebenschance zu sehen. Aber gerade hier findet die Hoffnungslosigkeit ihren authentischen Ausdruck.

Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben– ein Zitat des Philosophen Emil Cioran – ist die Geschichte der missglückten Liaison zwischen Individuum und Leben.

Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben. Passagen Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-7092-0092-6.

Stadtluft macht frei

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. „Stadtluft macht frei“ als Rechtsnorm des Mittelalters definiert sich in jeder Epoche neu und verdeutlicht die Verschränkung von Stadt- und Menschheitsgeschichte. Von frühen Stadtkonzeptionen, Kultur- und Fortschrittsskepsis über das Eintauchen in das 'Herz der Moderne' bis hin zu den virtuellen Begegnungen in der Cyberstadt spannt sich der Bogen dieser facettenreichen Auseinandersetzung.

Stadtluft macht frei. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-59030-0.

Kreativität in der urbanen Gesellschaft

Kreativität und Ökonomie 

In der aktuellen Diskussion wird der Begriff der „kreativen Stadt“ auf „innovative Milieus“, sogenannte „kreative Klassen“ reduziert. Angestrebt wird eine Erneuerung urbanen Kapitals in Form von Attraktivität, die insbesondere auf ökonomischer Basis ins Gewicht fällt. Die abgeleiteten Marktstrategien spiegeln sich im Wettkampf zwischen unterschiedlichen Stadtteilen und Städten. Das Ranking der 50 größten Städte der Bundesrepublik im Auftrag der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft (INSM), das seit 2004 jährlich bekanntgegeben wird, definiert die Maßstäbe:
Mehr...

Guelf, Fernand M., Kreativität in der urbanen Gesellschaft, Henri Lefèbvres Projekt einer kulturellen Revolution, in: Horst Müller (Hrsg.), Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation, mit Beiträgen von Michael Brie, Günter Buchholz, Rainer Fischbach, Fernand Guelf, Horst Müller, W. Schmied-Kowarzik , Andreas Willnow.


Guelf, Fernand M., Kreativität in der urbanen Gesellschaft, Henri Lefèbvres Projekt einer kulturellen Revolution, in: Horst Müller (Hrsg.), Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation, mit Beiträgen von Michael Brie, Günter Buchholz, Rainer Fischbach, Fernand Guelf, Horst Müller, W. Schmied-Kowarzik , Andreas Willnow.

Die urbane Revolution

Als 1970 Henri Lefèbvres »La révolution urbaine« (»Die Revolution der Städte«) erscheint, ist die Stadt als komplexes Phänomen vor allem soziologisch untersucht worden. Lefèbvre hingegen definierte die Stadt als »Œuvre« – als Ausdruck menschlicher Kreativität, die im Laufe der Entwicklung an Authentizität verloren hat – und charakterisierte die Verstädterung als dialektisch ablaufenden Prozess mit unbestimmtem Ausgang.
Fernand Mathias Guelf zeigt, dass die Verbindung von Revolution und Urbanisierung – als »strategische Hypothese« und Perspektive – für die Hoffnung auf eine neue Qualität des menschlichen Zusammenlebens steht.

Die urbane Revolution. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1511-1.

...dichterisch wohnet der Mensch

Während die Geschichte die Katastrophen sammelt, hält die Dichtung inne – für einen Augenblick; und stellt sich der Dynamik entgegen.

Wohnen in den Worten. In einer essayistischen Bestandsaufnahme erkundet Fernand M. Guelf die der Sprache eigenen Variationen, um dem Ablauf der Ereignisse zu begegnen. Dieses magische Potential bedrängt Hölderlins Lebensjahre im Turm, hintergeht die geordnete Realität, wagt eine Neubesiedlung der verbrannten Erde, begleitet den „Underdog“ durch die Trostlosigkeit der Randgebiete. Indem es sich dem vermeintlich Zusammenhanglosen nicht verwehrt, gibt das Wort am Ende seine wahre Dimension zu erkennen. Fernand M. Guelf zeigt, dass die dichterische Schöpfung keine Welt der Mythen, keine Kopie eines verlorengegangenen Paradieses, keine letzte Zuflucht für die Verzweifelten ist. Ihr Verbundensein mit der Sprache lässt auch das Dichterische ins Offene schauen.

… dichterisch wohnet der Mensch. Passagen Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7092-0047-6.

Fesseln der Zeit

Wer ist die Zeit? Die Frage nach der Identität der Zeit ist auch eine Frage nach der Positionierung des Individuums in der Geschichte.

Versuche, sich der Zeit anzunähern, unterliegen deren einnehmender Faszination. Ist sie Protagonistin, Agent Provocateur, Femme Fatale, Konstrukt oder Verbündete? In sechs essayistischen Ansätzen setzt sich Fernand M. Guelf mit diesen polarisierenden Positionen auseinander. Dabei verarbeitet er verstreute literarische, philosophische, naturwissenschaftliche Gedanken und bildnerische Gestaltungen aus der abendländischen Geistesgeschichte zu diesem Thema und überprüft sie auf ihre Alltagstauglichkeit. Durch Gedankenspiele und Analysen gelingt es den so gewonnenen Erkenntnissen, sich immer wieder der schicksalslastigen Umarmung, die diese Konfrontationen bereithalten, zu entziehen. Es entsteht ein Gedankenlauf durch die Zeit, der wiederum die Zeit spiegelt, der er verbunden ist.

Fesseln der Zeit. Passagen Verlag, Wien 2011